Köhlerei im Frankenwald

Die Köhlerei ist immaterielles Kulturerbe der UNESCO

Seit der Mensch begann Erze zu schmelzen um sie zu verarbeiten wurde auch Holzkohle benötigt um die für den Schmelzprozess nötige Temperatur zu erreichen. Die Köhlerei ist somit eines der ältesten Handwerke der Menschheit und zählt nicht nur deshalb zum immateriellen Kulturerbe der UNESCO.

Im Thiemitztal im Frankenwald wird der letzte Kohlenmeiler des Frankenwaldes vom Frankenwaldverein e. V. betrieben. Auch hier hat die Köhlerei lange Tradition. Durch die Radio-Carbon-Methode wurden die bislang ältesten Fundstücke der dauerhaft haltbaren Holzkohle auf ein Alter von etwa 1000 Jahre datiert.

Von den bis zu 800 Kohlenmeilern, die einst im Frankenwald rauchten ist nur noch die Meilerstatt im Thiemitztal in Betrieb. Während diese heute von einer Gruppe Enthusiasten betrieben wird, war sie bis zum Jahr 2007 die letzte im Nebenerwerb genutzte Meilerstatt im Naturpark.

Geld ist damit heute nicht mehr zu verdienen. Lange vorbei sind die Zeiten, als  jeder Hochofen und jeder Schmied auf das Produkt aus heimischen Wäldern angewiesen war. Entlohnt werden die Köhler heute lediglich mit einem Sack ihres selbst erzeugten Produktes – und mit unvergesslichen Abenden am Lagerfeuer oder in der Köhlerhütte.

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Wie der Meiler „funktioniert“

Der Meiler wird jeweils im Frühjahr und im Herbst entfacht. Nachdem er von oben angezündet wurde dauert es etwa eine Woche bis die Holzkohle „geerntet“ werden kann. Vorher gibt es allerdings noch viel zu tun: Das Buchenholz als Ausgangsmaterial wird bereits in der benötigten Größe angeliefert. In den Wochen vor der Entfachung wird der Meiler aufgebaut.

Um eine Stange in der Mitte (Quandl) werden die Meterstücke in einem Winkel von etwa 60° aufgeschlichtet. Um den Vorgang des Abschwelens mittels Luftzufuhr kontrollieren zu können legt man auf das Holz eine Lage Fichtenstreu. Sie sorgt dafür dass die „Lösch“, das eigentliche Dichtmaterial, nicht zwischen die Holzscheite fällt. Die „Lösch“ ist eine Mischung aus toniger Erde, Sand und dem Kohlenstaub vergangener Meiler, welche das Ganze abdeckt. In diese werden Löcher gestochen um den Meiler zu steuern.

Nachdem der Meiler entfacht wurde beginnt eine Woche steter Beobachtung, Kontrolle und Steuerung. Im Dreischicht-System betreuen die Köhler jeweils zu zweit den qualmenden Berg. Erst am Ende wird sich herausstellen wie gut die Arbeit geglückt ist – dies ist leicht zählbar an den abgefüllten Grillkohlesäcken.

Vermarktung

Sind die Säcke mit den Holzkohlen abgefüllt, endet die Tätigkeit der Köhler. Früher war es natürlich selbstverständlich, dass der Köhler sein Endprodukt selbst vermarktete. Auch das nimmt uns der Hauptverein des Frankenwaldvereins ab.

Wir füllen die Kohlen in Säcke zu 9 kg ab. Danach werden sie über das Lager des FWV verteilt bzw. vertrieben.

Die relativ geringe Anzahl an ehrenamtlichen Köhlern lässt es leider nicht zu, mehr als zwei Kohlenmeiler im Jahr zu betreiben. Der Ertrag deckt bei Weitem nicht die Nachfrage an Holzkohle ab, die mittlerweile in der Geschäftsstelle des Frankenwaldvereins in Naila gestellt wird.

Die “Köhlerfreunde Thiemitztal” sind ein Zusammenschluss von ehrenamtlichen Helfern. Viele von uns sind auch Mitglieder einer der Ortsgruppen im Frankenwaldverein e. V.

Unser Ziel ist es, möglichst vielen Menschen das alte Handwerk des Kohlebrennens näher zu bringen und die letzte Kohlstatt des Frankenwaldes als kulturelles Erbe unserer Heimat in die Zukunft weiter zu tragen.

Jeder, der möchte, kann als “Köhlerpraktikant” eine Schicht am Meiler hautnah miterleben.

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