“Der Frankenwaldverein kann selbstbewusst auf seine Geschichte zurückblicken und kann mutig in die Zukunft schauen. Er möge blühen, wachsen und gedeihen.”
Mit diesen Worten schloss der oberfränkische Bezirksheimatpfleger Prof. Dr. Günter Dippold seinen Festvortrag im Rahmen des 150-jährigen Gründungsjubiläums des großen Heimat- und Wandervereins. Aktuell gehören der Vereinigung mit Sitz in Naila 58 Ortsgruppen mit 9.500 Mitgliedern an. Die zweitägigen Feierlichkeiten fanden in Nordhalben statt, an jenem Ort, wo der Frankenwaldverein als seinerzeitige Sektion des Deutschen und Österreichischen Alpenvereins hervorgegangen ist.
Die Ortsgruppe Nordhalben war es denn auch, die mit zahlreichen Helfern dieses Jubiläum gemeinsam mit dem Hauptverein vorbereitete und durchführte. Eingeleitet worden war der Festakt in der Nordwaldhalle mit den heimischen Wirtshausmusikanten, die auch den weiteren Verlauf musikalisch umrahmten. Michael Wolf, Obmann des Frankenwaldvereins Nordhalben, brachte bei seiner Begrüßung die Freude und den Stolz zum Ausdruck, dieses Jubiläum ausrichten zu dürfen. Gerne wies er darauf hin, dass Nordhalben in der 150-jährigen Geschichte des Frankenwaldvereins seine zentrale Bedeutung für das Wandern im Frankenwald nicht verloren habe, wenngleich der Ort verkehrsmäßig leider etwas abgelegen sei. Schließlich würden sich hier neben zwei FrankenwaldSteigla und örtlichen Rundwanderwegen auch drei Hauptwanderwege und zwei Langstrecken-Themenwege kreuzen. Die Ortsgruppe selbst hätte 157 Wegekilometer zu betreuen.
Als eine Anerkennung für Nordhalben bezeichnete im Namen der Marktgemeinde der 3. Bürgermeister Nico Tahiraj die Festlichkeiten.
Stefan Münch aus Geroldsgrün, neben Roland Wolfrum aus Stadtsteinach einer der beiden Hauptvorsitzenden, unterstrich, dass 150 Jahre Frankenwaldverein auch 150 Jahre Engagement für die Heimat, Natur, Kultur und Gemeinschaft bedeuten. Seit seiner Gründung im Jahre 1876 stünde der Verein für die Liebe zur Heimat, den verantwortungsvollen Umgang mit der einzigartigen Landschaft und eine gelebte Gemeinschaft. Generationen von Ehrenamtlichen hätten Wanderwege angelegt und gepflegt, Traditionen bewahrt, kulturelle Werte vermittelt und Menschen zusammengeführt. Das Jubiläum gebe auch die Gelegenheit all jenen zu danken, die den Verein über eineinhalb Jahrhunderte hinweg getragen und gestaltet haben. “Möge der Frankenwaldverein auch in den kommenden Jahrzehnten ein lebendiger Botschafter unserer Heimat und ein Ort der Begegnung für Jung und Alt bleiben”, so Münch.
Roland Wolfrum war es vorbehalten, namentlich die Großzahl an Ehrengästen aus der Bundes-, Landes-, Oberfranken- und Kreispolitik sowie Vertreter von Wanderverbänden zu begrüßen.
Bezirksheimatpfleger Dippold eröffnete seinen Festvortrag mit dem Anfangstext des Radspitzliedes, in dem die Schönheit des Frankenwaldes zum Ausdruck kommt. Wie schön es im Frankenwald sei, dies sei lange Zeit verschwiegen geblieben. Dieses so unbekannte Land, von den Hauptstädten weit entfernte Gebiet populärer zu machen, darin habe über viele Jahrzehnte der Frankenwaldverein seine Hauptaufgabe gesehen. Ausführlich und damit ins Detail gehend war der Gang des Redners durch die Geschichte des Vereins. Dabei kamen unter anderem auch die Namen der entscheidenden Personen ebenso zum Vorschein wie so manch betrübtes als auch amüsantes Ereignis. Auch auf die Gründung der ersten Ortsgruppen und geschaffene Einrichtungen ging Dippold ein. Als 1976 das 100-jährige Jubiläum gefeiert wurde, seien in 54 Ortsgruppen schon stolze 7.000 Mitglieder verzeichnet gewesen. Der Verein sei weiter gewachsen und nach der Wiedervereinigung Ender der 1990er Jahre sei mit 61 Ortsgruppen und 12.000 Mitgliedern das bisherige Allzeithoch erreicht worden. Auffallend, dass ab 1967 eine Reihe von Bürgermeistern an der Spitze standen. So ab 1967 zunächst Adolf Thumser (Selbitz), dem Robert Strobel (Naila) und Dieter Frank (Schwarzenbach a.Wald) folgten und sich heute mit Münch und Wolfrum dieser Kreis vorerst schließt. Der Frankenwaldverein verstehe sich heute primär, mehr als zu Zeiten seiner Gründer, als Wanderverein. Er fördere das Erlaufen natürlicher Schönheiten und kultureller Schätze. Dippold stellte allerdings auch fest: “Der Frankenwaldverein ist aber nicht bloß ein Wanderverein. Er ist auch ein Heimatverein im besten Sinne des Wortes. Denn worauf es bei der Heimatpflege ankommt, das ist der schonende, achtsame Umgang mit Ressourcen.” Letztlich unterstrich der Bezirksheimatpfleger: “Heimat ist da, wo man bereit ist, Verantwortung zu übernehmen. Heimat ist der Ort, den man besser hinterlassen will, als man ihn vorgefunden hat. In diesem Sinne lebt der Frankenwaldverein Heimat.”
Landtagsabgeordneter und Staatssekretär Martin Schöffel bezeichnete das Wirken des Frankenwaldvereins und seiner vielen ehrenamtlichen Angehörenden als eine gigantische Leistung, was alles andere als eine Selbstverständlichkeit sei. Schirmherr Florian Luderschmid, oberfränkischer Regierungspräsident, zollte Respekt dafür, dass der Frankenwaldverein einen wertvollen Beitrag zum Erhalt der Heimat leiste. Er entpuppte sich als Entertainer, als er mit dem Volkslied “O Täler weit o Höhen” die Anwesenden zum Mitsingen aufforderte.
Landrat Klaus Löffler als Schirmherr und Sprecher der “kommunalen Familie” rief den Mitgliedern des Frankenwaldvereins zu, dass diese weiterhin mutig und optimistisch bleiben mögen und der Wir-Gedanke im Vordergrund stehen solle. Persönlich wurde er, als er die Anwesenheit der 94-jährigen Auguste Schwarz, deren verstorbener Mann Hermann langjähriger Obmann in Nordhalben gewesen war und sie mit diesem Verein heute noch sehr eng verbunden ist, als eine Lebensleistung herausstellte.
Werner Mohr, 1. Vizepräsident des Deutschen Wanderverbandes mit Sitz in Kassel, bezeichnete den Frankenwaldverein als Stütze in seiner Organisation unter den 57 Mitgliedsvereinen. “Nehmt dieses Jubiläum zum Anlass, um mit Schwung die Aufgaben der Zukunft anzugehen”, forderte er auf.
Abschließend gab Hauptkassier Wolfgang Gluth eine Geldspende von der Raiffeisenbank Hochfranken West bekannt. Mit leeren Händen waren zuvor auch nicht der Regierungspräsident und Landrat Löffler gekommen. Apropos Regierungspräsident: Florian Luderschmid wurde an diesem Tag ebenso Mitglied im Frankenwaldverein wie Bezirksheimatpfleger Dippold und der neue Hofer Bürgermeister Stefan Schmalfuß.
Bevor es zum Fränkisch-Fröhlichen Abend überging, erhielten die Vertreter der einzelnen Ortsgruppen jeweils ein Wimpelband und die Festschrift als Erinnerung überreicht.
Hans Franz